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Tesla kann nicht liefern

, Thomas Steinmann und Jenny von Zepelin

Der US-Konzern verprellt deutsche Stromkunden: Der Verkaufsstart der groß angekündigten Speicherbatterien für Haushalte verzögert sich seit Monaten

Tesla-Chef Elon Musk mit Heimbatterie Powerwall © Getty Images
Tesla-Chef Elon Musk mit Heimbatterie Powerwall

Die Greentech-Ikone Tesla kämpft beim Verkauf von Speicherbatterien für Haushalte mit großen Lieferproblemen. Wie Capital aus Branchenkreisen erfuhr, hat das US-Unternehmen in Deutschland bisher keinen einzigen seiner neuen Heimspeicher für Solarenergie (Powerwall 2) ausgeliefert. Eigentlich sollten die ersten Stromspeicher im Mai kommen. 

Auch in anderen wichtigen Märkten wie Australien und den USA kommt der Konzern von Elon Musk mit der Installation der neuen Batterien deutlich langsamer voran. Tesla lasse seine „Partner und Kunden im Regen stehen“, heißt es in der Branche. Speicherbatterien sind ein wichtiger Baustein für die Energiewende.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musk, der vor allem für seine Elektroautos gefeiert wird, Ankündigungen nicht einhält. Er hatte die neuen Heimspeicher, die mehr Strom aus der Solaranlage vom Dach speichern können und günstiger sein sollen als das Vorgängermodell Powerwall, im Oktober 2016 vorgestellt. Seit dem Winter können Kunden auch in Deutschland die Powerwall 2 über die Tesla-Website bestellen – gegen eine Anzahlung von aktuell 450 Euro. Es gibt jedoch keinerlei Informationen, wann die neuen Modelle installiert werden können. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Batterie frühestens Anfang 2018 in Europa verfügbar sein wird.

Gigafactory ausgelastet

Der Ökostromanbieter Lichtblick braucht solche Batterien als Speicher für sein Energienetzwerk, in das Haushalte mit Solaranlagen ihren Strom einspeisen. Das Hamburger Unternehmen hatte sich von der Kooperation mit Tesla einen Image- und Marketingschub erhofft. Tatsächlich verzeichnete Lichtblick zunächst „deutlich mehr Kundenanfragen im vierstelligen Bereich“. Die Nachfrage wird nun durch Konkurrenten wie Sonnen oder Fronius gedeckt. Aber der Tesla-Effekt ist erst einmal verpufft. An der Kooperationsvereinbarung will Lichtblick-Geschäftsführer Wilfried Gillrath aber nicht rütteln: „Wir warten so lange, bis Tesla die Batterie liefert.“

Tesla wollte sich auf Anfrage nicht zu den Problemen äußern. In der Branche heißt es, der E-Autobauer habe unterschätzt, dass es bei der Produktion von Autoakkus und Batterien für Haushalte kaum Syner­gien gebe. Zudem sei die Gigafactory 1 mit der Produktion der Batterien für das neue Auto Model 3 ausgelastet.

In der Vergangenheit hatte Musk den Verkauf von Speichern an Haushalte und Unternehmen stets als große Wachstumschance für Tesla verkauft. Nun belasten die Probleme im Speichergeschäft auch die Bilanz des Konzerns, der zuletzt bei Investoren in die Kritik geraten war – unter anderem, weil Musk im Herbst die Integration seiner Ökostromfirma Solar City in den Tesla-Konzern mit aller Macht durchgeboxt hatte. Zwar weist Tesla in seinen Finanzberichten auf den ersten Blick nun beeindruckende Umsatzsteigerungen in seiner Sparte für Energieerzeugung und Speicher aus. Tatsächlich gehen die Zuwächse aber nur auf die Integration des Solargeschäfts von Solar City in den Tesla-Konzern zurück. Wie aus Finanzberichten an die US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, lag der Umsatz im Speichergeschäft im ersten Halbjahr 2017 bei 21 Mio. Dollar – nach 26,7 Mio. Dollar  in den ersten sechs Monaten 2016.

Hohe Verluste im Speicherbereich

Wie schlecht es im Speicherbereich läuft, dokumentieren auch die jüngsten Quartalszahlen. Den Finanzberichten zufolge verbuchte der Konzern im zweiten Quartal bei Speichern einen Umsatz von 15,68 Mio. Dollar und einen Verlust von 14,08 Mio. Dollar. Und das, obwohl mit der Powerwall 2 ein neues Produkt auf den Markt kam und sich das Unternehmen hoch zufrieden über die  Vorbestellungen geäußert hatte. Allerdings verbucht Tesla Umsätze aus Speicherverkäufen nach eigener Darstellung erst, wenn die Batterie ausgeliefert und installiert worden sind – auch das ein Hinweis auf Lieferprobleme.

In den Finanzberichten warnt das Unternehmen seit mehreren Quartalen ausdrücklich vor Verzögerungen bei der Produktauslieferung – nicht nur bei Autos, sondern auch bei den Speichern. Wie in der Vergangenheit könne man  auch in Zukunft „signifikante Verzögerungen“ oder andere Komplikationen beim Design, der Herstellung, dem Verkaufsstart und dem Hochfahren der Produktion erleben. Diese könnten „Marke, Geschäft, Aussichten, Finanzlage und operative Ergebnisse“ Schaden zufügen, heißt es im Risikobericht. Konkret genannt werden etwa mögliche Probleme bei der Erweiterung der Produktion in der Gigafactory 1.

Wie Tesla in den Berichten ebenfalls ausführt, hat das Unternehmen kürzlich seine Vertriebsstrategie für Solarprodukte und Heimspeicher geändert. Im zweiten Quartal 2017 sei der Verkauf über Vertriebsleute („door-to-door-sale“) eingestellt worden, schreibt der Konzern. Die Powerwall 2 sollen stattdessen weltweit in Tesla-Stores angeboten werden. Durch die neue Vertriebsstrategie und Kürzungen des Marketingbudgets will der Konzern die Kosten für die Kundenakquise drücken.

Den ganzen Artikel zu Tesla lesen Sie in der neuen Capital, die am 21. September erscheint. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon


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