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Thyssenkrupp - Etappensieg für Hiesinger

, von Georg Fahrion

Nun herrscht Klarheit: Thyssenkrupp strebt die Stahl-Ehe mit Tata an. Doch in trockenen Tüchern sind die Pläne noch lange nicht. 

Stahlproduktion bei Thyssenkrupp © Getty Images
Stahlproduktion bei Thyssenkrupp

Die Zeit der Worthülsen ist vorbei: Fast zwei Jahre lang haben Thyssenkrupp und Tata diskutiert, ob und wie sie ihre europäischen Stahlsparten vereinigen wollen. Öffentlich kommunizierte die Essener Zentrale die ganze Zeit lediglich, man sondiere Möglichkeiten. Man spreche auch mit anderen Wettbewerbern. Man sei, natürlich, um die beste Lösung für Thyssenkrupp bemüht. Konkretes? Fehlanzeige. Es waren zwei Jahre quälender Ungewissheit für die Arbeitnehmer (und die Eigentümer): Gerüchte kursierten, Ängste wuchsen.

Seit Mittwoch herrscht endlich Klarheit, wie die zwei Headquarters sich die Zukunft vorstellen: In Essen erläuterte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger die Absichtserklärung, welche die beiden Konzerne heute unterzeichnet haben.

Ihr Inhalt: Die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata sollen in ein Joint Venture eingebracht werden, an dem beide Seiten je 50 Prozent halten. Eine Holding mit Sitz in den Niederlanden soll das Gemeinschaftsunternehmen führen. Bis Anfang 2018 wird eine Vertragsunterzeichnung angestrebt, das Closing soll nach Prüfung durch die Kartellbehörden bis Ende 2018 kommen.

Hiesinger muss den Aufsichtsrat überzeugen

Thyssenkrupp und Tata erwarten durch den Zusammenschluss Einsparungen von 400 bis 600 Mio. Euro pro Jahr. Selbstverständlich kommen die erhofften Synergien nicht aus dem Nichts: Laut Konzernangaben könnten bis zu 4000 Jobs in Verwaltung und Produktion wegfallen, auf beide Seiten annähernd gleich verteilt.

Für Hiesinger ist die Absichtserklärung ein wichtiger Zwischenschritt in seiner Strategie, Thyssenkrupp zu einem diversifizierten Industriekonzern umzubauen, unabhängiger vom volatilen Stahlgeschäft zu werden und die Bilanz zu verbessern. Für die Arbeitnehmer, die lieber unterm Konzerndach geblieben wären, sind die Pläne zunächst einmal bitter – wenngleich sie erleichtern dürfte, dass die paritätische Mitbestimmung auch in dem Joint Venture erhalten bleiben soll.

Dennoch wird es keine Kleinigkeit werden, den Thyssenkrupp-Aufsichtsrat zu überzeugen. Die Arbeitnehmervertreter stoßen sich nicht nur an den Jobverlusten, sondern sind auch verstimmt darüber, dass die Konzernführung sie so lange mit Floskeln abgespeist hat. Auf der Kapitalseite könnte sich der zweitgrößte Aktionär Cevian widersetzen: Die schwedische Investmentgesellschaft bevorzugt angeblich einen Börsengang des Stahlgeschäfts. Gemeinsam könnten sie eine Mehrheit für das Joint Venture verhindern.

Auch wenn die Arbeitnehmerseite bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert hat: Hiesingers Erfolg ist noch lange nicht gesichert.


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