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Wie Nordkorea trotz Sanktionen Handel betreibt

, Don Weinland und Yuang Yan, Financial Times

Alte rostige Schiffe und Scheinfirmen halten trotz der internationalen Sanktionen den nordkoreanischen Außenhandel aufrecht.

Nordkoreanische Landesflagge © Getty Images
Nordkoreanische Landesfarben: Trotz Sanktionen betreibt das Land Handel

Für eine Gesellschaft aus Hongkong mit einer kleinen Frachtschiffflotte hisst Union Link International eine Reihe exotischer Flaggen - von China und Tansania bis zu den pazifischen Inselstaaten Niue und Palau. Aber eine fällt besonders auf: ein fünfzackiger roter Stern auf einem breiten horizontalen Streifen aus Rot und Dunkelblau. Es ist Nordkoreas Nationalflagge und das Schiff auf dem sie weht, die Dolphin 26, ist nur eins in einem großen Netzwerk, das Pjöngjang hilft, die internationalen Sanktionen gegen sein Waffenprogramm zu überleben.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Montag neue Maßnahmen gegen Nordkorea beschlossen und eine Vereinbarung bekräftigt zur Identifizierung und Inspektion von Schiffen, die im Verdacht stehen, verbotene Waren aus dem abgeschotteten Land zu transportieren. Die Undurchschaubarkeit des Netzes von Schiffen, Menschen und Unternehmen, die die Handelsströme aufrechterhalten, legt den Schluss nahe, dass die internationale Gemeinschaft vor einer großen Herausforderung steht, um die Sanktionen wirksam umzusetzen.

Hunderte der beteiligten Schiffe befinden sich im Besitz und unter Kontrolle von Unternehmen mit Sitz in Hongkong, wo Geschäfte mit Nordkorea nicht illegal sind. Einige von ihnen werden von Nordkoreanern betrieben, wie Unternehmensaufzeichnungen belegen, aber die meisten werden von chinesischen Staatsangehörigen geführt.

Billigflaggen, Scheinfirmen und Zwischenhändler

„Diese Netzwerke müssen für Nordkorea wichtig sein, weil der nordkoreanische Wirtschaft etwas gelungen ist, was bisher noch keine Sowjetwirtschaft geschafft hat, und das stabilisiert die Handelsbilanz und die Währung“, sagt Nicholas Eberstadt vom American Enterprise Institute, einem konservativen Think-Tank.

Die in Washington ansässige Forschungsgruppe C4ADS hat die für Nordkorea wichtigen Schifffahrtsnetzwerke detailliert beschrieben. Von den 248 Unternehmen, die sie als geschäftsführende oder operative Unternehmen identifiziert, sind 160 in Hongkong registriert. Laut einem C4ADS-Bericht nutzen die Unternehmen „eine Vielzahl von Verfahren, um die Besitzverhältnisse zu verschleiern, einschließlich der Verwendung von Billigflaggen für Schiffe, der Gründung von Briefkasten- und Scheinfirmen zur Registrierung ihrer Beteiligungen ... und der Einschaltung von verschiedenen Zwischenhändlern bei der Durchführung der Geschäfte“.

Der rostige Rumpf des Dolphin 26 hat schon bessere Tage gesehen. Die Decks waren so rostig, dass im Februar Inspektoren auf das Schiff aufmerksam wurden, wie es in einem Bericht eines chinesischen Hafens steht. Das Schiff wurde laut dem Schiffsortungsdienst Marine Traffic zuletzt Mitte Mai im chinesischen Hafen von Tianjin gesichtet.

Es gibt keine Beweise dafür, dass es für illegale Praktiken genutzt wurde. Aber es gibt viele Parallelen zu Schiffen, die so etwas getan haben.

Muster sind schwer zu erkennen

Die Dolphin 26 hat in den vergangenen acht Jahren sechsmal seinen Besitzer und Geschäftsführer gewechselt und seinen Namen dreimal in den letzten acht Jahren geändert, während seine Flagge laut der maritimen Datenbank Equasis in fünf Jahren viermal ausgetauscht wurde.

Durch den Flaggentausch und die Änderung der Eigentumsverhältnisse zwischen den Mantelgesellschaften ist es nach Expertenmeinung viel schwieriger, Muster zu erkennen und die Aktivitäten der Menschen nachzuvollziehen, die hinter den Reedereien stehen. Viele der Unternehmen benutzen die gleichen Hongkonger Adressen wie die Sekretariatsfirmen, die sie für ihre Vertretung bezahlen – eine Konstruktion, wie sie normalerweise von Scheingesellschaften ohne reale Vermögenswerte benutzt wird.

Die anderen von Union Link verwalteten Schiffe weisen ähnliche Muster auf. Seit 2003 hat die Oriental Lady sechsmal die Flagge gewechselt - zweimal davon nach Nordkorea. Die Zhi Hui hat seit 2006 viermal die nordkoreanische Flagge benutzt.

„Wenn man die Zeit, Energie und das Geld bedenkt, die diese Unternehmen aufwenden, um ihre wahre Identität zu verschleiern, kommt man zu dem Schluss, dass es wichtig sein muss“, sagt William Newcomb, ehemaliger stellvertretender Koordinator der Arbeitsgruppe des US-Außenministeriums für Nordkorea unter Präsident George W. Bush.

"Es ist in der Branche üblich, viele Unternehmen zu registrieren"

Xie Qun, die eingetragene Inhaberin von Union Link, sagt, dass sie die „anstrengende Tätgkeit“ als Reederin reduziert habe, um sich um ihr Kind und ihre betagten Eltern zu kümmern. In einem McDonald's Restaurant in Dalian erzählt sie, dass sie im Februar die Beziehungen zu ihrem letzten nordkoreanischen Kunden abgebrochen habe, als die Uno gerade dabei war, neue Sanktionen zu verabschieden. Sie habe niemals wissentlich nordkoreanischen Unternehmen geholfen, gegen Gesetze zu verstoßen.

Xie sagt, dass viele kleine Reedereien unter ihrem Namen in Hongkong registriert worden seien. Eine Strategie zur Risikostreuung: Sollte ein Schiff in einen Rechtsstreit verwickelt werden, wären andere Schiffe und Unternehmen davon nicht betroffen. „Es ist in der Branche üblich, viele Unternehmen zu registrieren“, sagt sie und fügt hinzu, dass Branchenkollegen ihr dies in Hongkong empfohlen hätten, wo Unternehmen ohne Adresse oder Vermögenswerte vor Ort registriert werden könnten. Hongkonger Firmenaufzeichnungen zeigen zwei aufgelöste Reedereien, die unter dem Namen Xie Quns registriert waren.

Das chinesische Handels- und Wirtschaftsentwicklungsbüro in Hongkong kennt die Berichte eines UN-Expertengremiums, in dem Unternehmen vorgeworfen wird, den illegalen Handel mit Nordkorea zu begünstigen. Es untersucht die Fälle, in denen in Hongkong registrierte Unternehmen involviert sein sollen. US-Regulierungsbehörden und Forschungsgruppen beobachten mehrere große chinesische Unternehmen und die dahinter stehenden Personen. Diese Firmen sind häufig in Dandong an der Grenze zu Nordkorea ansässig sind und stehen im Verdacht, das nordkoreanische Waffenprogramm zu unterstützen.

Copyright The Financial Times Limited 2017


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